DIE ERNTE IST GROSS, ABER DER ARBEITER SIND WENIGE: DARUM BITTET DEN HERRN DER ERNTE, DASS ER ARBEITER AUSSENDE IN SEINE ERNTE. Luk. 10.2
Freundeskreis Ndolage Freundesbrief 2005
Ndolage Hospital P.O.Box 34
Kamachumu Kagera-Region
Tanzania
24.11.2005
Liebe Freundinnen und Freunde Ndolages!
Anfang letzten Monats wurde ein Team von Ndolage in ein abgelegenes Dorf gerufen. Ein bis dahin kerngesunder Junge von 7 Jahren, nennen wir ihn Jonas, erkrankt an einer schlaffen Lähmung der Beine. Sofort wird die Befürchtung geäußert, es könne sich um einen Ausbruch der Kinderlähmung handeln, einer Krankheit, die hier als ausgerottet gilt.
Bei der genauen diagnostischen Abklärung im Krankenhaus bestätigt sich dieser Verdacht nicht. Es findet sich ein Tumor, der bereits einen Teil der Wirbelsäule zerstört und sich auch im Bauchraum und im Gesicht abgesiedelt hat. Es handelt sich um ein Burkitt-Lymphom, einen sehr schnell wachsenden bösartigen Tumor, der besonders Kinder in den Malariaregionen Afrikas befällt. Unbehandelt versterben die Kinder in kürzester Zeit, durch eine exakt angepasste Chemotherapie mit einer Dreierkombination von Medikamenten können sie jedoch geheilt werden. Erhältlich sind diese teueren Medikamente hier in der Kagera-Region nicht. Auch sollten sie nur von Ärztinnen und Ärzten angewendet werden, die eine spezielle Ausbildung in diesem Bereich haben. Also muss Jonas nach Dar-es-Salaam, einmal durch halb Afrika reisen. Glücklicherweise gibt es dort eine staatliche Spezialklinik für Krebserkrankungen, wo Kinder kostenlos behandelt werden. Die Kosten von 420,- Euro für den Flug für Kind, Vater und begleitende Krankenschwester kann unser Poor-Patients-Fund dank Spenden unserer Freundinnen und Freunde in Deutschland übernehmen.
Besuche in den nahen Dörfern unternimmt auch regelmäßig Witness, eine Krankenschwester aus Ndolage. Sie ist die Koordinatorin unseres Projektes für Familien, die mit dem HIV, dem Erreger der AIDS-Erkrankung leben müssen. Durch lange geduldige Aufklärungsarbeit ist es ihr gelungen, mit den Müttern ins Gespräch zu kommen. Frauen, die zur Schwangerenvorsorge oder Entbindung in das Krankenhaus kommen, lassen sich auf diese Infektion hin testen. Wenn sie infiziert sind, bekommen sie das Medikament Nevirapin zur Vorbeugung einer Infektion des Kindes unter der Geburt überreicht und werden ausführlich beraten. Die infizierten Mütter, die aus den direkt angrenzenden Dörfern kommen, haben die Möglichkeit, sich für das Projekt registrieren zu lassen. Ihnen (und auf Wunsch auch den Ehemännern) wird eine kostenlose medizinische Behandlung angeboten, die auch antiretrovirale Medikamente beinhaltet, die den Ausbruch einer AIDS-Erkrankung verhindern können. Somit bleiben den Kindern noch über viele Jahre die Eltern erhalten und sie müssen nicht das Schicksal der vielen AIDS-Waisen in der Kagera-Region teilen.
Im Verlaufe dieses Jahres bereitete uns ein Problem viel Kopfzerbrechen. Parallel mit unserer Projektplanung begann der tansanische Staat ein großes Programm, um die antiretroviralen Medikamente im ganzen Land einzuführen. Da eine unkontrollierte Anwendung diese durch eine Resistenzbildung in kürzester Zeit unwirksam macht, dürfen die Medikamente nur in speziell vom Staat zugelassenen Zentren angewendet werden. An diese Zentren werden hohe Anforderungen gestellt. Es muss ein eigenes Gebäude vorhanden sein, das Labor muss bestimmte Untersuchungen durchführen können, eine bestimmte Mindestanzahl an Krankenhausmitarbeitern muss in speziellen Kursen geschult werden. Logischerweise wurden als erste vom Staat die großen Universitätskliniken ausgewählt, gefolgt von den Regional- und Distriktkrankenhäusern. Ndolage ist zwar das Krankenhaus, in dem der erste tansanische Fall von AIDS diagnostiziert wurde und arbeitet auch als de facto als Überweisungskrankenhaus für die gesamte Kagera-Region mit ihren 2.000.000 Einwohnern, fällt aber in keine der Kategorien. Von unserer Seite her war eine umfangreiche Lobbyarbeit notwendig. Insbesondere Witness verbrachte ungezählte Tage in den verschiedensten Behörden und organisierte die Ausbildung unseres Personales entsprechend den staatlichen Auflagen. Sehr groß war dann die Erleichterung, als wir vor zwei Wochen einen Brief in der Hand hielten, in dem Mitarbeitende von Ndolage zu einem staatlichen Seminar eingeladen wurden, das für alle Krankenhäuser gehalten wird, die im Finanzjahr 2005/2006 in das staatliche Programm zur kostenlosen Verteilung von antiretroviralen Medikamenten aufgenommen wurde.
An dieser Stelle wollen wir uns für eine besonders gelungene partnerschaftliche Zusammenarbeit bedanken. Das ganze Projekt konnte erst dadurch gestartet werden, dass die Vereinte Evangelische Mission (also mehrere Landeskirchen und viele Einzelspender) die Finanzierung der Stelle der Koordinatorin übernahm und auch genügend Geld für die medizinische Behandlung der am Projekt teilnehmenden garantierte. Nur durch den engen Kontakt nach Wuppertal war es möglich, das Projekt entsprechend den sich immer wieder ändernden Bedingungen und den neuen staatlichen Vorgaben umzuformen. Da wir nun die Medikamente bald kostenlos vom Staat bekommen, werden wir wahrscheinlich bald das dafür vorgesehene Geld für den Bau eines Beratungszentrums umwidmen, um die staatlichen Mindestvoraussetzungen zu erfüllen.
Folgende Neuigkeiten gibt es noch zu berichten:
Schwester Regina aus unserem Operationssaal
ist nach einem dreimonatigen Praktikum im St. Johannisstift in Paderborn wieder
wohlbehalten zurückgekehrt und lässt uns nun an ihren neuen Erfahrungen
teilhaben. Ende letzten Jahres sind nach abgeschlossener Universitätsausbildung
eine Ärztin und zwei Ärzte zu uns gestoßen. Ein Kollege hat sich innerhalb
eines Jahres soweit qualifiziert, dass er auch große Prostata-Operationen
selbstständig durchführen kann. Auch durch Freiwillige aus Europa erfahren wir Unterstützung.
Im Moment ist wieder unser ältester Volontär, ein 79-jähriger schwedischer
Chirurg, im Einsatz. Für ein Jahr sind aus England eine Ärztin für öffentliches
Gesundheitswesen und ein Gynäkologe bei uns. Vor einer Woche ist auch eine
Kinderärztin bei uns eingetroffen. So haben wir die Möglichkeit, vielen bis
jetzt vernachlässigten Aufgaben, wie der Betreuung der weit verstreuten
kirchlichen Ambulanzen, nachzugehen.
Wir wünschen Ihnen eine gesegnete Advents- und Weihnachtszeit!
Dr. James Kato, Chefarzt Dr.
Frank Beier, Chirurg
Spendenkonto: Vereinte Ev. Mission, Evangelische Darlehngenossenschaft
Münster, BLZ 400 601 04, Konto-Nr.: 563 701, Verwendungszweck: Kennwort
Ndolage-NWD und komplette Adresse für die Spendenbescheinigung (Wenn die
Adresse nicht unter „Verwendungszweck“ steht, wird sie nicht übermittelt!) PS:
Daueraufträge geben uns eine größere Planungssicherheit
Kontakte:
Krankenhauszentrale: ndolage@bukobaonline.com
Dr. Frank Beier: SilkeFrankB@web.de
Informationen zur Vereinten Evangelischen Mission: www.vemission.org